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Vereinsaktivitäten der letzten Jahre

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Mikroskopieren auf der
Ostseeinsel Hiddensee 2007

Endlich war es wieder so weit: Mikroskopieren auf der schönen Ostseeinsel Hiddensee. Schon Wochen vorher freute ich mich auf dieses Naturerlebnis, vor allem aber freute ich mich auf das Mikroskopieren der diversen Proben mit Gleichgesinnten. Wie auch im letzten Jahr trafen sich die Mikroskopierbegeisterten in Schaprode (Rügen), um gemeinsam mit der Fähre zur Biologischen Station Hiddensee (Außenstelle der Universität Greifwald) überzusetzen. Es war für die Kursteilnehmer des letzten Jahres schön, sich wieder zu treffen und dementsprechend war die Begrüßung in Schaprode sehr herzlich. Während der Überfahrt nach Kloster (Hiddensee) empfing uns der Vitter Bodden mit wunderbarem Sonnenschein und idyllischem Urlaubswetter.

Nach der freundlichen Begrüßung und Einweisung durch Frau Gerlinde Zenke (Biologische Station Hiddensee) richteten die Kursteilnehmer für die nächsten Tage im Kursraum sowie in den rustikalen und gemütlichen Unterkünften ein. Die ersten Einkäufe für das gemeinsame morgendliche Frühstück wurden erledigt und die regelmäßig anfallenden Arbeiten wurden verteilt. Hier zeigte sich wieder einmal wie gut das Zusammenspiel der Gruppe auf Hiddensee funktioniert. Die "Neuen" begeisterten sich schnell für das gemeinsame Vorbereiten und erledigten die anfallenden Arbeiten rund um das leibliche Wohl. Sehr schnell war die Gruppe wieder eine kleine gut funktionierende Familie. Auch das zeichnet für mich das gemeinsame Erlebnis Mikroskopieren auf Hiddensee aus.

Doch schon am zweiten Tag zeigte die Sonneninsel uns eines ihrer anderen Gesichter: Regen und Wind verbannten uns den größten Teil des Tages in den Kursraum. Es wurden Planktonproben vom Hafen in Kloster genommen und die dankenswerterweise von Eva Remke, Doktorandin der Biologischen Station, rund zwei Wochen vorher ausgehängten Aufwuchsobjektträger geborgen und mikroskopiert. Mit großer Begeisterung entdeckten die Kursteilnehmer diverse Glockentierchen, Suctorien, Amöben (Abb. 1), verschiedene Algenarten und zahlreiche weitere Mikroorganismen. Prof. Klaus Hausmann erläuterte uns am Videomikroskop anhand der vorhandenen Proben den komplizierten Lebenszyklus des sessilen Ciliaten Follikulina.

Abb. 1: Amoeba proteus (Foto: Wolfgang Bettighofer, Kiel).

Abb. 2: Probeentnahme an der Fährinsel (Foto: Sascha Buchczik, Berlin).

Am dritten Tag änderte sich das Wetter wieder zum Guten und wir erkundeten den nördlichen Teil der Insel rund um den Dornbusch (Abb. 3). Wir wanderten über den Leuchtturm bis hin zum Enddorn. Auf dem Rückweg wurden Proben genommen und zur Freude einiger Kursteilnehmer fand sich in der Probe aus einer Viehtränke Haematococcus pluvialis (Blutregenalge), an der man sehr schön die charakteristische Gallertschicht und die 2 Geißeln erkennen konnte.

Abb. 3: Ein Teil der Gruppe beim Dornbusch (Foto: Sascha Buchczik, Berlin).

Auch dieses Jahr war wieder ein Heideeinsatz geplant. Gleich nach dem Frühstück fuhren die Kursteilnehmer per Fahrrad in das Naturschutzgebiet Dünenheide. Die Einführung durch Dr. Sven Dahlke (Biologische Station Hiddensee) über die Kulturlandschaft Heide, das Naturschutzgebiet, die dort vorhandene Fauna und Flora brachte uns die Zusammenhänge auf der Insel Hiddensee näher. Nach dem Suchen und Auffinden von zwei verschiedenen Sonnentauarten wurden in der Nähe der Ferienanlage Heiderose Äxte ausgeteilt. Da die Heide eine Kulturlandschaft ist, muss diese auch regelmäßig gepflegt (verjüngt) werden, da sonst eine unerwünschte Verbuschung und schließlich Verwaldung der Heide erfolgen würde. Nach diesem schweißtreibendem Arbeitseinsatz, bei dem die Kursteilnehmer mit vereinten Kräften einiges an Baum- und Buschwerk aus der Heide schlugen (Abb. 4 & 5), ging es zurück zum Kursraum, um die auf dem Heimweg gesammelten Planktonproben zu sichten.

Abb. 4 & 5: Mikroskopiker beim Heideeinsatz (Foto: Sascha Buchczik, Berlin).

Der später geplante "italienische Abend" wurde von einigen Teilnehmern vorbereitet. Wie auch nicht anders zu erwarten gab, es Spagetti und als Vorspeise selbst gemachtes Antipasti. Es wurde über Mikroskopie im speziellen und Gott und die Welt im Allgemeinen geredet. Auch dieser schöne Abend war leider irgendwann zu ende.

Der Freitag war von Sturm und Regenwetter geprägt. Vormittags wurden die diversen Proben mikroskopiert. Leider musste eine geplante Schiffsausfahrt wegen der schlechten Witterung ausfallen. Am Abend hielt Dr. Reinhard Schmidt (ehemaliger Leiter der Vogelwarte Hiddensee) im Nationalparkhaus nahe Kloster einen Vortrag über die Vogelwelt Hiddensees.

Am Samstag fuhr ein Teil der Kursteilnehmer zum Altbessin, um Seeadler und andere ornithologische Besonderheiten zu beobachten. Andere Kursteilnehmer sind an der Nordseite Hiddensees auf Bernsteinsuche gegangen. Der Rest blieb im Kursraum und mikroskopierte Proben aus dem am südlichen Ende der Dünenheide gelegenen Froschteich. Hier beobachtete ich eine Amöbe bei der Nahrungsaufnahme von Gonyostomum semen (drei Algen in wenigen Minuten).

Nach dem abendlichem Essen am Hafen, im Restaurant "Hittim", trafen sich die Kursteilnehmer noch im "Doktorandenhaus" der Station, um den Kurs zu besprechen und bei einem Bier und angeregten Gesprächen die Woche ausklingen zu lassen.

Mit schwerem Herzen und dem Gefühl, dass eine Woche einfach zu wenig Zeit für eine nicht nur mikroskopisch vielseitige Insel ist, verließen wir am Sonntag Hiddensee, allerdings nicht ohne uns gegenseitig zu versichern, dass wir uns nächstes Jahr wieder auf Hiddensee zum gemeinsamen Mikroskopieren treffen wollen.

Sascha Buchczik, Berlin

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