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Vereinsaktivitäten der letzten Jahre

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Hiddensee-Exkursion im September 2008

Zum dritten Male in Folge hat die Berliner Mikroskopische Gesellschaft (BMG) eine Exkursion zur biologischen Meeresstation der Universität Greifswald auf der Ostseeinsel Hiddensee unternommen. Im Vorjahr wurde beschlossen, die Exkursion dieses Jahr um einen Tag zu verlängern: Anreise war am Sonntag, den 21.09.2008, und die Abreise eine Woche später, am Sonntag, den 28.09.2008.

Am Anreisetag trafen wir uns gegen Mittag an der Fähranlegestelle in Schaprode auf Rügen, und die Freude des Wiedersehens war groß. Neben den sieben BMG-Mitgliedern Holger Bertram, Gisela und Wolfgang Frohberg, Klaus Hausmann, Klaas Koch sowie Martina und Günther Zahrt waren noch Herrmann Hochmeier aus Wilhelmsburg, Österreich, und Wolfgang Bettighofer aus Kiel mit dabei. Das Einladen des Gepäcks und der mitgebrachten Mikroskope in Schaprode und das Ausladen bei der Ankunft in Kloster auf Hiddensee waren im Trockenen möglich, nur während der Überfahrt gab es einen kurzen Regenschauer.

Hiddenseer Fischer

Hiddenseer Fischer

In Kloster angekommen, haben wir das Gepäck, wie es auf der autofreien Insel üblich ist, per Handwagen zur biologischen Station gebracht. Es erfolgte die obligatorische Brandschutz- und Gelände-Einweisung durch Frau Gerlinde Zenke, wobei besonders darauf aufmerksam gemacht wurde, dass sich im Laufe des letzten Jahres die Füchse und Kreuzottern auf Hiddensee stark vermehrt haben.

Nachmittags wurden die Bungalows in Besitz genommen, im Kursraum wurden die Mikroskope und Stereolupen aufgebaut, und gegen Abend trafen wir uns, um im nahe gelegenen Wieseneck bei Speis und Trank den Tag ausklingen zu lassen.

Am nächsten Morgen bereiteten wir uns das Frühstück mit mitgebrachtem Aufschnitt und frisch gekauften Insel-Brötchen. Wolfgang Bettighofer hat wieder während der gesamten Woche dankenswerter Weise die allmorgendliche Beschaffung der Brötchen übernommen.

Frühstück

Frühstück

Im stärker werdenden Regen haben wir am Hafen aus den zwei Wochen zuvor ausgehängten Rahmen mit Objektträgern für Aufwuchspräparate erste Proben entnommen. Die Aufwuchspräparate wurden im Laufe des Nachmittags im Kursraum untersucht. Allerdings war der Bewuchs nicht so stark wie im Jahr davor. Es wurden viele Diatomeen und einige Rädertiere gesehen, weniger Glockentiere als sonst, und etliche Flagellaten aus der Gruppe der Metromonaden.

Da im Wieseneck der Dampfgarer defekt war, und man daher auf Reis- und Nudelgerichte hätte verzichten müssen, sind wir für das Abendessen zum etwas entfernteren, am Hafen gelegenen Restaurant Hitthim gegangen.

Am Dienstag ließ der Regen nach, und im Anschluss an das gemeinsame Frühstück brachen wir zu einer Radtour zur - nach dem Leuchtturm und dem Dornbusch - dritten Attraktion der Insel auf, zum Froschteich (österreichisch: "Frooschdeich", mit einem langen tiefen "o"). Frösche wurden wegen der späten Jahreszeit dort allerdings nicht mehr gesichtet; der Name für diesen Tümpel hatte sich im Laufe der Jahre bei den Exkursionsteilnehmern so eingebürgert. Es handelt sich um ein kleines, fast vollständig mit Schilf bewachsenes Gewässer am Rande der Hiddenseer Hauptverbindungsstraße, etwa auf Höhe der Fährinsel.

Dort wurden auf verschiedene Weise Wasserproben genommen, die Verwendung des Planktonnetzes hatte sich im Vorjahr als nicht so ertragreich erwiesen. Wolfgang Bettighofer hatte eine größere Spritze mit einem mehrere Meter langen Schlauch dabei. Damit wurde bodennahes Wasser mit Detritus aufgesaugt. Herrmann Hochmeier hat uns eine Auswringetechnik mit nach unten gerichtetem Daumen gezeigt, mit der man auch ohne Trichter das aus Pflanzenbewuchs herausgepresste Wasser in ein kleines Probengefäß einfüllen kann, einfach indem das Wasser am gestreckten Daumen hinab in das Gefäß fließt. Die anderen Exkursionsteilnehmer schöpften das Wasser mit diversen Probengefäßen, wobei Wert darauf gelegt wurde, dass die am Boden lebenden Amöben auch mit in das Gefäß kamen. Festzuhalten ist noch, dass ein direkt proportionaler Zusammenhang zwischen mikroskopisch lohnenswerten Tümpeln und verstärkter Mückenbesiedlung festgestellt wurde.

Wolfgang Bettighofer am Tümpel

Wolfgang Bettighofer am Tümpel

Auf dem Rückweg zur biologischen Station konnten wir uns im Restaurant Heiderose mit Kaffee, Kuchen und Sanddorneisbecher stärken, bevor dann nachmittags die Proben im Kursraum untersucht wurden. Es stellte sich heraus, dass es große Unterschiede zwischen den Proben gab. Einige waren aus Sicht des Mikroskopikers interessanter als andere. Wolfgang Frohberg hatte ein besonders glückliches Händchen bei der Probennahme, bei ihm waren die meisten verschiedenen Einzeller zu finden. Wolfgang Bettighofer hat daraufhin einige Tage später an verschiedenen Stellen des Froschteichs noch einmal Proben genommen und den mikroskopisch sichtbaren Artenreichtum verglichen.

In den Proben waren die erwarteten Schalenamöben zu sehen: Arcella gibbosa, teilweise nur als leere Schalen, teilweise aber auch aktiv in Bewegung unter Einsatz der Pseudopodien, sowie Vertreter der Gattung Netzelia. Auch wurden zahlreiche Exemplare der wohlbekannten Amoeba proteus gesehen, massenhaft Dinoflagellaten der Gattung Peridinium, einige Spirostomum ambiguum und viele Diatomeen.

Am Abend konnte wieder im Wieseneck gespeist werden, der Dampfgarer war zwischenzeitlich repariert worden.

Am Mittwoch war Wandertag: In sechs Stunden wurde bei schönem Wetter der Nordteil der Insel umwandert: Dornbusch mit Leuchtturm, Enddorn, Alter Bessin. Trotz Warnung vor dem Fuchsbandwurm labte man sich an den reifen Sanddorn-Früchten. Nach der Wanderung wurden die Froschteich-Proben weiter untersucht, abends war wieder das Wieseneck angesagt.

Der Donnerstag begann wie üblich mit einem Frühstück in geselliger Runde, im Anschluss daran hatten wir Gelegenheit, mit dem Schlauchboot des Stationsmitarbeiters Dr. Sven Dahlke auf den Vitter Bodden zu fahren und dort Proben zu nehmen. Es wurden Proben mit dem Planktonnetz genommen. Mit einem Rechen sowie einer Dredge wurden Seegras und Armleuchteralgen an Bord geholt. Auf dem Seegras hatten sich Moostierchen in flachen Kolonien angesiedelt. Die Kolonien waren mit bloßem Auge als Flecken von etwa einem halben Zentimeter Durchmesser auf den Seegras-Blättern zu erkennen. An einem alten Fähranleger wurden Proben von Rotalgen genommen. Unter dem Mikroskop konnte man sehr schön den Bewuchs mit Glockentierchen und Diatomeen sehen.

Schlauchboot

Fahrt mit dem Schlauchboot

An diesem Abend wurde kein Restaurant besucht, sondern das Abendessen wurde von Martina Zahrt und Gisela Frohberg zubereitet. Dieser italienische Abend war das kulinarische Highlight der Exkursion; es gab Pappardelle wahlweise mit einer fleischhaltigen oder einer fischhaltigen Soße, vorweg eine leckere Tomatensuppe sowie die berühmten Bettighofer-Antipasti. Im Anschluss an das Abendessen saßen wir noch im Doktorandenhaus gemütlich bei Kerzenschein zusammen.

Freitag war der Tag des Heideeinsatzes, der dieses Mal etwas anders als in den Vorjahren ausfiel. Es gab nämlich keine großen Bäume zu fällen, sondern wir haben in einem bereits recht buschlosen Bereich der Heide nach kleinen Sträuchern gesucht und sie entfernt, um eine Verbuschung der Heide zu vermeiden. Es gab dort zwar viele Mücken, aber ein mikroskopisch interessantes Kleingewässer konnten wir nicht finden.

Vor dem Arbeitseinsatz hat uns Jens Schirmel, Doktorand der biologischen Station, auf einer Führung die verschiedenen Methoden gezeigt, mit denen versucht wurde, die Heidelandschaft zu erhalten. Dabei wurde auf Versuchsflächen die obere Humusschicht abgetragen oder umgepflügt, so dass das Heidekraut die nährstoffarmen Flächen besiedeln kann. Leider hat sich gezeigt, dass auch Brombeerbüsche auf solchen Flächen sehr gut wachsen und schnell Überhand nehmen. Eine umfangreiche Beweidung der Heide durch Schafe, wie sie früher üblich war, ist wohl aus Kostengründen nicht mehr durchführbar.

Nach dem Heideeinsatz sind einige Exkursionsteilnehmer zum südlichen Teil der Insel gefahren, um sich dort den zweiten Leuchtturm anzusehen. Im Bereich der Bungalowanlage des Hotels Heiderose wurde ein Feuerlöschteich gefunden, der komplett mit Entengrütze (= Wasserlinsen = Lemna) bedeckt war und, wie sich später herausstellte, viele Schalenamöben der Gattung Difflugia enthielt.

Abends gab es im Nationalparkhaus in Vitte einen interessanten Vortrag über die Tiere in der Dünenlandschaft: Insekten (Tagfalter, Heuschrecken, Laufkäfer), Eidechsen, Kreuzottern und einige Vogelarten, die sich an das Leben in einer Dünenlandschaft angepasst haben. Im Anschluss an den Vortrag saßen wir in Vitte im Restaurant Godewind zusammen, um den Tag ausklingen zu lassen.

Den Samstag haben wir wieder größtenteils an den Mikroskopen verbracht. Es wurden noch einmal die Aufwuchs-Objektträger untersucht sowie die Proben aus dem Froschteich und dem Feuerlöschteich durchgesehen.

Mikroskopieren

Mikroskopieren

Bereits am Montag ist uns auf einer Weide eine als Viehtränke dienende Badewanne aufgefallen: Das Wasser in der Wanne war komplett grün gefärbt. Am Samstag hat Klaus Hausmann eine Wasserprobe genommen, ein Planktonnetz war aufgrund der hohen Algendichte nicht notwendig. Bei der mikroskopischen Untersuchung zeigte sich eine extreme Menge von kleinen, mondsichelförmigen Grünalgen der Gattung Kirchneriella. Dazwischen bewegten sich einige euglenide Flagellaten.

Gegen Abend wurden im Kursraum die Gerätschaften wieder abgebaut und in den diversen Transportbehältnissen verstaut, Stühle hochgestellt und der Boden gefegt. Danach ging es dann zum Abschiedsessen ins Hitthim am Hafen.

Sonntag war die Woche dann leider schon wieder vorüber. Nach dem gemeinsamen Frühstück wurden die Bungalows besenrein übergeben. Dann machten wir uns mit voll gepackten Handwagen auf den Weg zum Hafen. Die 10:00 Uhr Fähre setzte uns wohlbehalten in Schaprode ab. Nach einer herzlichen Verabschiedung haben sich die Exkursionsteilnehmer schließlich wieder auf den Heimweg gemacht.

Für die Hiddensee-Exkursion im Jahr 2009 wurden bereits mögliche Termine mit der Leitung der biologischen Station abgesprochen. Denn die Exkursion hatte allen Teilnehmern wieder so gut gefallen, dass ein großes Interesse an einer Wiederholung im Folgejahr bestand.

Klaas Koch, Berlin

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